09.12.2025 | Business Intelligence Know-how Letter
Institute setzen neben klassischer Software zunehmend auch auf KI-basierte Softwarelösungen, beispielsweise im Rahmen von Compliance-Prozessen, beim Transaktionsmonitoring oder auch der Portfolioanalyse. Die zugrundeliegenden Modelle werden meist vom Hersteller trainiert und anschließend bereitgestellt. Die Problematik (trotz der Einhaltung strenger Compliance- und Datenschutzrichtlinien oder Prinzipien „verantwortungsvoller KI“): Trainingsdaten, Feature-Auswahl, Modellparameter und Details zu Entscheidungswegen bleiben trotz Herstellerdokumentation für das Institut oft weitgehend intransparent. Die Folge kann eine eingeschränkte Steuerungsund Kontrollmöglichkeit sein – mit direkten Auswirkungen auf Governance, Validierung und regulatorische Compliance.
Aufsichtsgremien wie EZB, EBA und BaFin haben in den letzten Jahren ihre Anforderungen an KI- und Machine-Learning- Modelle in Banken deutlich verschärft:
Der Aufbau eines institutseigenen KI-Referenzmodells kann hier Abhilfe schaffen und insbesondere die Erfüllung der oben dargelegten regulatorischen Anforderungen unterstützen. Zudem können dadurch Synergieeffekte entstehen, die Vorteile für den jeweiligen Bereich insgesamt darstellen:
Ein tieferes Verständnis des eingesetzten KI-Modells ist regulatorisch geboten. Dabei ermöglicht ein eigenes Referenzmodell eine unabhängige Dokumentation und Nachweisführung gegenüber internen und externen Prüfern (z. B. Revision, Aufsicht, Wirtschaftsprüfer). Des Weiteren werden umfassende Sensitivitätsanalysen und gezielte Modelltests erst durch ein eigenes Modell möglich.
Institute gewinnen die Kontrolle über Modellparameter, Annahmen und Updates. Durch Variation von Parametern können gezielt Schwachstellen, Modellrisiken und Abhängigkeiten identifiziert werden. Die Anpassung an neue regulatorische Anforderungen wird flexibler und schneller möglich.
Ein Referenzmodell dient als Benchmark für das Herstellermodell: Abweichungen werden sichtbar, Ursachen können gezielt analysiert werden. Dabei erhöhen Backtesting und Benchmarking die Modellrobustheit und das Risiko von Modellfehlern kann reduziert werden. Die Validierung des Modells kann zudem unabhängig und nachvollziehbar dokumentiert werden.
Der Einsatz von Explainable AI im Referenzmodell ermöglicht die Nachvollziehbarkeit von Entscheidungswegen – ein zentraler Aspekt für die Akzeptanz bei internen und externen Stakeholdern. Weiterhin liegen die Schritte der Aufbereitung von Trainingsdaten und die Feature-Selektion in der eigenen Hand. Dadurch werden Modell-Klassifizierungen und -entscheidungen transparent sowie auditierbar.
Das Referenzmodell kann flexibel an neue Anforderungen angepasst und regelmäßig nachtrainiert werden. Es dient als Benchmark für die Evaluation alternativer KI-Modelle und fördert Innovation und Weiterentwicklung.
Der Verzicht auf den Aufbau eines Referenzmodells sollte gut überlegt sein, um die damit einhergehenden Risiken umfassend abwägen zu können und eine fundierte Entscheidungsbasis zugrunde zu legen.
Der Aufbau eines eigenen KI-Referenzmodells ist kein Selbstzweck, sondern ein zentraler Baustein für eine robuste, nachvollziehbare und regulatorisch einwandfreie KI-Governance in der Finanzindustrie. Institute, die frühzeitig in eigene Referenzmodelle investieren, sichern sich nicht nur regulatorische Konformität, sondern auch einen strategischen Vorteil: Sie behalten die Kontrolle über ihre KI-Anwendungen, können Innovationen gezielt vorantreiben und minimieren gleichzeitig die Risiken von „Black Box“-Modellen.
Sie möchten mehr erfahren oder stehen vor der Herausforderung, ein eigenes Referenzmodell zu etablieren? Sprechen Sie uns gerne an – wir unterstützen Sie mit Erfahrung, Methodik und technischer Expertise.
1EZB (2025): Pressemitteilung: EZB veröffentlicht überarbeiteten Leitfaden zu internen Modellen, Europäische Zentralbank, 28.07.2025.
2 ECB (2025): ECB guide to internal models, European Central Bank, 28.07.2025.
3 EBA (2023): Machine Learning for IRB Models: Follow-up report from the consultation on the discussion paper on machine learning for IRB models, EBA/REP/2023/28, European Banking Authority, August 2023.
4 BaFin (2021): Big Data und künstliche Intelligenz: Neues Prinzipienpapier der BaFin, Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, 15.06.2021.
5 BaFin (2022): Maschinelles Lernen in Risikomodellen, Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, 18.02.2022.